Die Qualität des Heizwassers ist entscheidend für die Lebensdauer und den störungsfreien Betrieb moderner Heiz- und Kühlanlagen. Zwei zentrale Parameter bestimmen dabei die Wasserqualität: die elektrische Leitfähigkeit und der pH-Wert. Wir von energystation setzen bei der Anlagenbefüllung kompromisslos auf vollentsalztes Premium VE-Wasser und eine chemiefreie Strategie gemäß VDI 2035. Doch was passiert mit dem pH-Wert direkt nach der Befüllung? Wir erklären das Phänomen der Eigenalkalisierung und zeigen, warum Sie auf chemische Inhibitoren verzichten sollten.
1. Elektrische Leitfähigkeit: Der „Sweet Spot“ für die salzarme Fahrweise
Eine extrem niedrige elektrische Leitfähigkeit ist essenziell, um galvanische Korrosion im System zu verhindern. Ein Wert von ca. 14 µS/cm, wie er bei unserem Premium VE-Wasser üblich ist, unterschreitet den in der Branche geforderten Grenzwert von 100 µS/cm deutlich.
Die physikalische Herausforderung:
Ein extrem niedriger Leitwert (nahe 0–1 µS/cm) bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Solches Reinstwasser ist chemisch „hungrig“ und besitzt kaum Pufferkapazität. Paradoxerweise kann es aggressiver gegenüber Metallen wirken, da es bestrebt ist, Ionen aus den Rohrwandungen aufzunehmen, um ein chemisches Gleichgewicht herzustellen.
Zudem ist der pH-Wert bei extrem niedriger Leitfähigkeit sehr instabil. Schon kleinste Mengen gelösten Kohlendioxids (CO₂) aus der Luft können den pH-Wert in den sauren Bereich (unter 7,0) abrutschen lassen. Mit unseren typischen 14 µS/cm liegen Sie perfekt im „Sweet Spot“: Das Wasser ist rein genug, um Kalk und Korrosion zu verhindern, bietet aber ausreichend „Substanz“, damit sich der pH-Wert sicher stabilisieren kann.
2. Das Phänomen: Die natürliche Eigenalkalisierung nach VDI 2035
Direkt nach der Entsalzung ist ein pH-Wert von 7,0 (neutral) für VE-Wasser völlig normal. Oft rutscht dieser Wert beim Einfüllen durch den Kontakt mit Luftsauerstoff kurzzeitig sogar leicht ab.
💡 Geben Sie dem System Zeit!
Ein elementarer Aspekt der VDI 2035 ist die sogenannte Eigenalkalisierung (Selbstalkalisierung). In den ersten 8 bis 12 Wochen nach der Befüllung steigt der pH-Wert im geschlossenen Heizungssystem meist von ganz allein an. Dieser natürliche Prozess entsteht durch chemische Reaktionen des Reinstwassers mit den metallischen Oberflächen der Anlage. Es bildet sich eine schützende Passivierungsschicht.
3. Zielwerte für den pH-Wert: Materialspezifischer Korrosionsschutz
Nach Ablauf der Eigenalkalisierung (ca. 8-12 Wochen) sollte der pH-Wert kontrolliert werden. Der optimale Bereich hängt stark von den verbauten Materialien ab:
| Verbautes Material | Optimaler pH-Wert nach VDI 2035 | Besonderheit / Risiko |
|---|---|---|
| Aluminium / Alu-Legierungen | 8,2 bis 8,5 (max. 9,0) | Extrem empfindlich! Ein zu hoher (stark basischer) pH-Wert zersetzt die Schutzschicht. Akute Lochfraßgefahr. |
| Edelstahl | 8,2 bis 10,0 | Sehr robustes Material. Passiviert sich in diesem basischen Bereich selbst. |
| Stahl / Kupfer | 8,2 bis 10,0 | Alkalische Werte sind zwingend notwendig, um Stahlbauteile effektiv vor Rost zu schützen. |
4. Die Gefahr: Warum wir chemische „Kombi-Inhibitoren“ vermeiden
Bleibt der pH-Wert nach 12 Wochen unter 8,2, greifen viele Installateure voreilig zu chemischen „Kombi-Inhibitoren“, Natron oder Soda. Davon raten wir als Experten dringend ab!
- Problem der „Aufsalzung“: Inhibitoren enthalten oft Phosphate oder Silikate. Diese heben zwar den pH-Wert an, zerstören aber gleichzeitig Ihren extrem niedrigen Leitwert (oft ein Anstieg auf über 500 µS/cm). Der Vorteil der salzarmen Fahrweise ist damit zunichte gemacht.
- Biofilme & Bakterien: Einige chemische Zusätze können bei falscher Dosierung das Wachstum von Biofilmen und Bakterien im Rohrnetz fördern.
- Garantieverlust: Viele Hersteller von modernen Brennwertgeräten und Wärmepumpen (besonders mit Aluminium-Wärmetauschern) untersagen die Zugabe von Chemie. Im Schadensfall droht der Verlust der Gewährleistung.
- Wartungsaufwand: Chemische Wirkstoffe bauen sich ab und müssen bei der jährlichen Wartung aufwendig nachdosiert werden.
5. Chemiefreie Alternativen zur pH-Wert-Anhebung
Sollte der pH-Wert nach der Eigenalkalisierung tatsächlich nicht im Normbereich liegen, bieten wir Ihnen schonende, technische Alternativen an, die unsere chemiefreie Philosophie (gemäß VDI 2035 Blatt 2) unterstreichen:
- 1. Vakuumentgasung (Für große Anlagen): Im Wasser gelöstes CO₂ bildet Kohlensäure, die den pH-Wert senkt. Ein Vakuumentgaser entzieht dem Wasser physikalisch die gelösten Gase, wodurch der pH-Wert völlig natürlich und ohne Leitfähigkeitserhöhung ansteigt.
- 2. Magnesiumanoden (Opferanoden): Die „natürlichste“ Lösung. Eine Armatur mit Magnesiumanode im Rücklauf gibt sanft und selbstregulierend Hydroxid-Ionen ab. Der pH-Wert steigt sicher an, Restsauerstoff wird gebunden.
- 3. pH-angepasste Mischbettharze: Spezielle Vollentsalzungsharze sind so abgestimmt, dass das Wasser nicht neutral (pH 7,0), sondern bereits leicht alkalisch (pH 8,2) aus der Aufbereitung kommt.
- 4. Aktive Elektrolyse-Systeme: In einer steuerbaren Elektrolysezelle wird das Wasser gezielt gespalten, um eine exakt dosierte, chemiefreie Alkalität zu erzeugen.

Fazit: Chemiefrei ist vorrangig
Die VDI 2035 bevorzugt ausdrücklich die salzarme Fahrweise ohne Zusätze, da diese das Problem an der Wurzel packt: Wo keine Salze sind, gibt es keine elektrische Leitfähigkeit und damit fast keine elektrochemische Korrosion. Geben Sie Ihrer Anlage Zeit zur natürlichen Selbstalkalisierung!
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